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Möglichkeit zum Neuanfang für die Neue Nationalgalerie

Die Neue Nationalgalerie in Berlin öffnet wieder ihre Türen für Besucher. Foto: Fabian Sommer/dpa


Möglichkeit zum Neuanfang für die Neue Nationalgalerie 

Der Bau wird als Wahrzeichen moderner Architektur gefeiert. Die Neue Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe öffnet wieder. Damit sind viele Kunstwerke aus langen Depot-Jahren befreit.


Auch spektakuläre Sammlungen können ihre Lücken haben. «Sehr männlich geprägt und nicht global», geht es in den Beständen der Neuen Nationalgalerie aus Sicht ihres Leiters Joachim Jäger zu.


Das soll sich nach Jahren der Schließung und einer umfassenden Sanierung des ikonischen Museumsbaus von Ludwig Mies van der Rohe (1886-1969) in den kommenden Jahren ändern. Für Jäger ist «die lange Schließung eine Zäsur und die Möglichkeit des Neuanfangs».


Drei Ausstellungen 


Den Beginn dieses Neuanfangs markieren Jäger und sein Team mit gleich drei Ausstellungen. «Das Gebäude ist ein Hauptexponat.» So kommt die Ausstellung «Alexander Calder. Minimal/Maximal» in der stilprägenden Haupthalle aus riesigen, stahlumfassten Glasfronten einer Hommage an den Bau gleich. Der US-amerikanische Bildhauer Calder (1898-1976) ist ohnehin von Beginn an mit dem Museum verbunden. Zur Eröffnung des Mies-Baus 1968 wurde seine Arbeit «Têtes et Queue» aufgestellt, die nach der Sanierung wieder auf der Terrasse des Museums zu finden ist.


In Sichtweite, nur durch die Glasfronten getrennt, stehen nun die monumentalen Skulpturen Calders. Gerade die trotz ihrer oft raumgreifenden Größe verspielt wirkenden Mobiles sind reizvoller Kontrast zu Strenge und Klarheit der Haupthalle. Das intensive Rot der zentralen Skulptur «Five Swords» von 1976 scheint ein ähnlicher Gegensatz zu sein, nimmt in seiner riesigen Stahlkonstruktion aber gleichzeitig die Materialität des Mies-Baus auf. 


Das Untergeschoss mit seinem für Museen so untypischen Teppichboden präsentiert die Sammlung unter dem Titel «Die Kunst der Gesellschaft 1900-1945». Die bis 2023 konzipierte Dauerausstellung begrüßt mit zwei Neuerwerbungen aus jüngerer Zeit: Lotte Laserstein wurde mit «Abend über Potsdam» (1930) als wichtige Künstlerin ihrer Zeit wiederentdeckt, einen ähnlichen Effekt erhofft sich die Neue Nationalgalerie nun durch Sascha Wiederholds farbgewaltigen «Bogenschützen» aus dem Jahr 1928.


Wie ein Gang durch die Depots Die Ausstellung lässt sich mit den etwa 250 präsentierten Werken auf Epochen wie Kaiserreich, Weltkriege, Kolonialzeit oder Holocaust ein. Die für Berlin als prägend empfundenen 1920er Jahre spiegeln sich etwa in «Potsdamer Platz» von Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938), einem zentralen Gemälde des in der Ausstellung beeindruckend vertretenen deutschen Expressionismus. Die Eröffnungsausstellung gleicht einem Gang durch die Depots der Nationalgalerie: Dada, Surrealismus, Kubismus. Aus der Neuen Sachlichkeit wird nicht nur ein zentrales Werk wie Christian Schads «Sonja» gezeigt, sondern gleich auch mit der Frage «Wer ist Sonja?» Rolle und Herkunft der porträtierten Albertine Gimpel erläutert. 


Apropos Provenienz: Zur Wiedereröffnung der Neuen Nationalgalerie wurden die über drei Jahrhunderte reichenden etwa 1800 Werke der auf sechs Orte verteilten Nationalgalerie in einem Bestandskatalog erfasst und dabei auch ihre Herkunftsgeschichte erforscht. Zu klären waren dabei etwa mögliche verfolgungsbedingte Erwerbungshintergründe aus der Nazizeit. Übrig blieb laut Jäger nur «eine kleine Gruppe von Werken, über die wir noch keine Informationen haben. Da ist die Aktenlage zu schlecht.» Den Anteil mochte Jäger nicht quantifizieren, kündigte aber weitere Forschungsarbeit an. 


Schlendern im Skulpturengarten 


Ein Highlight des Mies-Baus ist direkt durch die Dauerausstellung erreichbar: der auch jenseits der Sanierung jahrzehntelang geschlossene Skulpturengarten kann nun wieder begangen werden. Für Jäger zeigt sich hier die Vielfalt moderner Skulptur. «Der Garten ist ein eigenes kleines Museum.»


Der einzigen lebenden Künstlerin der Eröffnungsausstellungen ist das Grafische Kabinett der Neuen Nationalgalerie mit «Rosa Barba. In a Perpetual Now» vorbehalten. Bis zum 16. Januar zeigt die in Berlin lebende Barba zentrale Filme ihres Werkes aus der Zeit zwischen 2009 bis heute. Für die Anordnung wählte auch sie einen Bezug zu Mies und seiner Architektur. Die Stahlkonstruktion für die Arbeiten ist angelehnt an die Haupthalle und basiert zugleich auf dem Grundriss von Mies van der Rohes «Landhaus aus Backstein». 


© dpa-infocom, dpa:210818-99-884893/3








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