22 Aug 2008

Interview mit Beat Kriemler – Ein Bildhauer zwischen Friedenspfeife und Skulptur

Kriemler ist mitunter durch das Gedankengut der Hopi- Indianer beeinflusst. Diese Bewohner dreier Hochplateaus in Arizona selbst respektieren die Erde, die Schöpfung und auch die Natur. Unser westliches Selbstverständnis „sich die Erde Untertan zu machen“, erscheint ihnen befremdlich. Vielmehr sehen sie die Erde als einen Freund an. Inspiriert durch diese indigene Kultur reiste Beat Kriemler als 18-jähriger auch nach Amerika und begann dort zwei Jahre später auch sein Kunststudium. Merkmal seiner Kunst ist vor allem die sanfte Form wie der Kreis; man wird in seinen Werken kaum Ecken oder Kanten finden. Eine dieser Skulpturen „Two Folds in One“ wurde jetzt vom Olympischen Komitee ausgewählt. Wir haben den begeisterten Skulpturbildner interviewt.

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(GAM) Wie sind sie zur Kunst gekommen?

Kriemler: Eher spielerisch. Ich habe als Kind immer gezeichnet und an irgendwas rumgebastelt. Trotzdem habe ich mir nie vorgestellt von der Kunst zu leben. Ich erinnere mich wie ich als ich 12 war und einen Zeitungsartikel über Jean Tinguely las, der dessen Kunst zeriss. Ich fragte mich wieso man einen Beruf ausüben soll, wo man durch die Öffentlichkeit abgeschossen werden kann. Als 20jähriger hatte ich dann die Möglichkeit am Institute of American Indian Arts zu studieren. Ich schrieb mich aber eher ein, weil ich von der indianischen Kultur als Ganzes fasziniert war und nicht interessiert indianische Kunst zu erlernen.

(GAM) Seit wann machen sie Skulpturen?

Kriemler: Seit ich für Bob Haozous, Bildhauer in Santa Fe, New Mexiko, USA neben der Kunstschule assistiert habe. Das war 1992. Er war es auch der mir 'riet' von der Malerei, die ich studierte zur Bildhauerei zu wechseln, indem er sagte: "Das was ich kann kannst Du auch. Aber nicht hier! Du musst deinen eigenen Weg gehen." Mit diesen Worten war ich sogleich selbständig geworden.

(GAM) Wer oder was hat sie beeinflusst?

Kriemler: Im Südwesten der USA für 14 Jahre im kulturellen Dreiecksgebiet Indianisch- Mexikanisch-Amerikanisch zwischen dem Big Sky und der endlosen Halbwüste zu leben. Bob Haozous, die vielen Reisen und Begegnungen mit den verschiedensten Menschen, die doch alle dasselbe suchen, wollen und brauchen.

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Beat Kriemler

(GAM) Was drücken sie in ihrer Kunst aus?

Kriemler: Hoffentlich einen spirituellen Durchblick, Meditationen durch die Materie oder das mondäne Leben. Materialismus bringt mir keine Freiheit, die beginnt erst in mir drin. - Die Gedanken sind frei, und noch freier ist der der es schafft einen Gedankenfreien Raum zu erreichen. - Formal gesehen ist deshalb der negative Raum in meinen Skulpturen ein zentral wichtiger Aspekt.

(GAM) Was inspiriert sie zu einem Kunstwerk?

Kriemler: Mein Drang Öffnungen durch alle mögliche Materie zu machen und das nicht Sichtbare (Licht) frei zu legen.

(GAM) Wie kam es dazu, dass sie der Olympiade in Peking eine Skulptur schenkten?

Kriemler: Schenken kann man nicht sagen. Meine Plastik steht in Peking vor dem Birdsnest Stadium weil ich zusammen mit 50 anderen internationalen Bildhauern aus 2400 Wettbewerbs- Bewerbungen selektiert und eingeladen wurde den Modell Entwurf monumental zu realisieren.

(GAM) Was halten sie von der Olympiade?

Kriemler: Wenn man sich der edlen Ziele der frühen Olympiade, die ja erst vor 150 Jahren oder so wieder aufgenommen wurden erinnert, empfinde ich Stolz und Dankbarkeit durch meine Skulptur Teil dieser 2000 jährigen Geschichte zu sein. Olympia führt die Menschen zusammen, lässt zusammen wetteifern, Sie feiern und wie jetzt in China auch einander mehr verstehen und hoffentlich tolerieren. Die olympischen Spiele in Peking auszuführen ist für mich ein historischer Event, der sicher in China vieles in Bewegung bringt, mit dem sich das Volk und die Regierung auseinander zu setzen hat. Im Guten wie im Schlechten. Mir ist der ganze Rummel drum rum zu groß. Aber so geht es halt auf dem Welt- Dorf- Fest zu und her.

(GAM) Wie beurteilen sie das Vorgehen Chinas gegenüber Tibet?

Kriemler: Ich persönlich lehne jegliche Gewaltanwendung ab. Wir müssen lernen Konflikte anders zu lösen als mit gewaltbereiter Durchsetzung unserer Interessen. Ich hoffe das die chinesische Führung sich mit den Vertretern des Dalai Lama an den grünen Tisch setzt und eine offene Dialogform findet. Ob das Streben nach Autonomität Tibets gerechtfertigt ist oder nicht entzieht sich meiner objektiven Beurteilungskraft.

(GAM) Wie würden sie ihre eigene Person beschreiben?

Kriemler: Auch das entzieht sich meiner Objektivität. - Ein Träumer, der glaubt durch äußeren Druck eine Buchhaltung führen zu müssen.

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(GAM) Mit welchen Techniken/Methoden arbeiten sie?

Kriemler: Methode, Neugierde, Technik: Mal schauen ob's gelingt.

Wir haben es hier also mit einem experimentierfreudigen, schweizer Künstler zutun, von dem auch in Zukunft noch die eine oder andere überraschende Skulptur kommen wird. Man darf gespannt sein.

Das GlobalArtMagazine bedankt sich ganz herzlich.