Prof. F.C. Gundlach – Vom Knopfdruck zur Kunst
Viele meinen Photographie sei nicht viel mehr als ein einfacher Knopfdruck. Dass das Unsinn ist und dass Photographie Kunst nicht nur sein kann, sondern oft auch ist, kommt ihnen nicht in den Sinn. „Das ist doch eh bloß ein Foto“, verspotten sie den Künstler, den sie nicht als Solchen erkennen.

Gundlach hingegen hat Glück. Er selbst nicht nur Talent bewiesen, sondern auch Erfolg gehabt und immer noch erfolgreich, wird jetzt wieder einmal ausgestellt. Schließlich ist er einer der bedeutendsten Modefotografen der Bundesrepublik. Bis zum 7. September kann man sein fotografisches Werk in den Deichtorhallen im Haus der Fotografie bestaunen. Aber nicht nur das. Zusätzlich dazu erscheint jetzt eine Monographie im Steidl Verlag, die sein fotografisches Schaffen per Text und auch per Bild reflektiert. Die Auswahl sammelt circa 300 Bilder, darunter zahlreiche Schlüsselwerke sowie viele Seiten oder noch nie gezeigte Arbeiten.

Gundlach selbst versteht seine Arbeit als Reflektion des Zeitgeistes. Der Modefotograf ist Jemand, der ganz in seiner Zeit lebt, denkt, fühlt und dies mit so viel Enthusiasmus und Leidenschaft tut, dass er sogar über sie hinaus schießen kann: ein Phönix aus der Asche.

Sein Produkt ist das Modefoto, aber dieses ist eben nicht nur ein Foto; vielmehr bietet es dem Betrachter Möglichkeiten der Identifikation. Es ist nicht nur eine Abbildung des Sichtbaren, es kehrt das Unsichtbare heraus, das Innere, Verborgenes, Träume, Wünsche und Sehnsüchte. Und deswegen kann es auch viel mehr ausdrücken als es eigentlich zeigt: Den Menschen nämlich.

Mit seinen mittlerweile 81 Jahren hat er nicht nur fotografiert, sondern sich auch aktiv für die Photografie selbst eingesetzt. 1967 gründete er die Firm Creative Color GmbH, 1971 den Professional Photo Service (PPS). 1975 schuf er die PPS. Galerie F.C. Gundlach, eine der ersten Galerien, ausschließlich für Photografie in Deutschland.

Zusätzlich dazu rief er 1993 den Arbeitskreis Photographie Hamburg e. V. ins Leben und initiierte 1999 die erste Triennale der Photographie in Hamburg, die sich seitdem alle drei Jahre präsentiert. 2000 startete seine Stiftung F. C. Gundlach, deren Aufgabe in der Förderung von Kunst, Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet der Photographie liegt. Speziell die Förderung der Photographie als Kulturgut wird hier wichtig genommen. Ganz nebenbei arbeitet er noch als Professor an der Hochschule der Künste Berlin.
Wilken Wehrt
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