08 Aug 2008

Neo Rauch

Geschenkübergabe der Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen an die Hamburger Kunsthalle

Neo Rauch: Die Fuge

Die Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen (SHK) besteht als gemeinsame Institution der Hamburger Wirtschaft und engagierter kunstinteressierter Privatpersonen sowie der Freien Hansestadt Hamburg. Gegründet wurde die SHK 1956, damals als Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Kunstsammlungen. 2006 feierte sie mit der Ausstellung „Kunst für Hamburg. Von laut bis leise“ ihr 50-jähriges Bestehen. In diesem Jahr hat die Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen (SHK) ein bedeutendes Werk der zeitgenössischen Kunst für die Galerie der Gegenwart ankaufen können – die erste Erwerbung für die Galerie der Gegenwart in der Amtszeit von Prof. Dr. Hubertus Gaßner. Es handelt es sich um das Gemälde „Die Fuge“ von Neo Rauch. Das Bild war in jeder Hinsicht, auch in seinen Ausmaßen (300 x 420 cm), das herausragende Werk in der ersten Einzelausstellung eines lebenden deutschen Künstlers im Metropolitan Museum of Art im vergangenen Jahr in New York.

Diefuge_kopie

Neo Rauch (*1960) Die Fuge, 2007, Öl auf Leinwand (zweiteilig), 300 x 420 cm Dauerleihgabe der Stiftung für die Hamburger Kunstsammlungen Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin & David Zwirner New York Photo © Uwe Walter, Berlin © VG Bild-Kunst,

Der 1960 in Leipzig geborene Neo Rauch zählt mit seinen anspielungsreichen Gemälden zu den international gefeierten und gefragtesten Künstlern der gegenwärtigen Malerei. Die„Fuge“ ist eines der dreizehn Gemälde aus der Werkgruppe „para“, die der Künstler für das New Yorker Metropolitan Museum geschaffen hat und die bis zum 30. März 2008 im Max-Ernst-Museum in Brühl mit weiteren sechs Gemälden ausgestellt wurde.

Nun hat die SHK das Gemälde für die Galerie der Gegenwart erworben. Ein Gemälde, das mehr Fragen aufzuwerfen, als Antworten zu geben scheint. Figurengruppen in historischer Kleidung schweben in der Luft, ein Mann steckt in einem Kraterloch, Feuerwehrmänner klammern sich an Wasserschläuche und eine gänzlich über einem Buch versunkene Person nimmt das äußere Geschehen gar nicht wahr. Rechts im Hintergrund des Gemäldes ist ein großer Berg zu sehen, eine Anspielung auf Balthus „La Montagne“ aus dem Jahr 1937. Rauchs Malerei ist deutlich von Kunstund Weltgeschichte beeinflusst. Rückenfiguren, Körperhaltungen und Landschaftsperspektiven beziehen sich auf die Kunst des Mittelalters und der Renaissance, vor allem aber auf den Surrealismus. Die Figuren wirken eigentümlich gedrungen und gelängt, ein Phänomen der Malerei des Manierismus. Die Dramatik des rätselhaften Geschehens, die gedeckten Farben und die Vielschichtigkeit der Komposition irritieren den Betrachter.

Neo Rauch studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig zunächst bei Arno Rink. Danach war er bis 1990 Meisterschüler bei Bernhard Heisig und von 1993 bis 1998 Assistent. 2005 wurde er als Nachfolger Rinks zum Professor berufen. Die „Fuge“ ist ab dem 10. April 2008 im Sockelgeschoss der Galerie der Gegenwart zu sehen.